In St. Virgil startet der Lehrgang Spirituelle Theologie im interreligiösen Prozess mit neu überarbeitetem Curriculum im Oktober 2025 bereits zum sechsten Mal. Hier erhalten Sie einen Einblick zu den inhaltlichen Zugängen.
Für alle, die sich für eine Teilnahme interessieren: Am 09. April findet eine Online Infoveranstaltung statt.
Spirituelle Theologie im interreligiösen Prozess
Begegnung und Zusammenarbeit mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und religiösen Traditionen gehören längst zu unserem Alltag. Das Bedürfnis nach einer vertieften Spiritualität und ihrer Verortung im bunten Angebot religiöser und nicht-religiöser Sinnangebote hat in der letzten Zeit merklich zugenommen. Hinzu kommt, dass wir gegenwärtig welt- und weltbilderschütternde Krisen erleben, in denen traditionelle Sinnangebote nur bedingt überzeugen. Damit wird die Auseinandersetzung mit Spiritualität in einem zusehends multireligiösen Kontext immer dringlicher. Ob in Schule oder Universität, in der Pflege oder Sozialarbeit, in Seelsorge oder Therapie, in Kultur oder Wirtschaft, oder einfach im Sinne des persönlichen Wachstums: eine theologisch fundierte Beschäftigung mit den eigenen und anderen, auch fremden spirituellen Traditionen kann eine Grundlage für ein gelungenes Leben und gesellschaftliches Zusammenleben bieten.
Unter dem akademischen Dach der Paris-Lodron-Universität Salzburg findet der Universitätslehrgang (ULG) «Spirituelle Theologie im interreligiösen Prozess» alternierend in Österreich und der Schweiz statt.
Der ULG dauert sechs Semester und kann mit einem Master (MA) abgeschlossen werden. Der Lehrgang richtet sich an Berufstätige, sich (beruflich) neu Orientierende und Pensionierte jeden Alters. Die insgesamt 18 Seminareinheiten finden jeweils an zwei oder drei Wochenendtagen (Donnerstag-, bzw. Freitagabend bis Samstag-, bzw. Sonntagnachmittag) statt. Damit ist eine berufsbegleitende Teilnahme möglich.
Der ULG ist in seiner Art einzigartig, und zwar in verschiedener Hinsicht. Zum einen werden die besten universitären Lehrkräfte aus dem deutschsprachigen Raum als Referent:innen engagiert, was bei einem formalen Masterlehrgang an einer Universität nicht möglich wäre. Zum zweiten wird der Lehrgang pädagogisch intensiv begleitet, was eine Fülle von didaktischen und methodischen Zugängen zu den inhaltlichen Schwerpunkten eröffnet. Zum dritten geht es neben einer intellektuellen Auseinandersetzung auch um die konkrete Einübung unterschiedlicher spiritueller Formen und die Reflexion der eigenen Entwicklung. Und schliesslich bietet das Bildungshaus St. Virgil seit vielen Jahren auch für den ULG eine spirituelle Beheimatung und Raum für Austausch.
Für die sechste Durchführung des universitären Masterlehrganges wurden das Konzept und die einzelnen Seminare überarbeitet: Nach der Erarbeitung der Grundlagen werden die verschiedenen religiösen und spirituellen Traditionen miteinander in Beziehung gesetzt, sodass viele Möglichkeiten des Dialogs oder Polylogs möglich werden. Damit soll auch ein so genanntes «Container-Denken» überwunden werden, wonach Religionen in sich abgeschlossene Einheiten sind. Vielmehr geht es eben um einen «interreligiösen Prozess» und nicht um vergleichende Religionswissenschaft.
Eine weitere Neuerung betrifft die Verzahnung der unterschiedlichen Formen von Spiritualität mit aktuellen Themen wie Gewalt, Sexualität oder Ökologie. Anhand solcher Querschnittsthemen sollen die spirituellen Traditionen und die Reflexion dazu gleichsam auf dem Prüfstand der gesellschaftlichen und weltweiten Aktualität bestehen.
Schließlich wird besonders auf bisher als randständig erachtete religiöse und spirituelle Traditionen (indigene, ostasiatische, hybride, säkulare) und nicht-religiöse Spiritualität (zum Beispiel Ökospiritualität) fokussiert. Die religiöse und spirituelle Biografie der Teilnehmenden ist vielfältig und spielt im Prozess des Lernens und des Austauschs eine entscheidende Rolle. Dieser Prozess wird neben der akademischen Leistung und dem damit erfolgten Wissenszuwachs ein wesentlicher Aspekt des gesamten Lernwegs.
Die Teilnehmenden können den ULG mit zwei verschiedenen akademischen Titeln abschließen: mit einem Master of Arts (MA) in Continuing Education, wofür 120 ECTS-Punkte sowie eine Master-Thesis erforderlich sind. Der MA gibt Zugang zum Doktorat. Oder aber als Akademische/r Expert:in für Spirituelle Theologie, wofür 90 ECTS, aber keine Masterarbeit notwendig sind. Für beide Abschlüsse muss eine mündliche Abschlussprüfung bestanden werden. Wer keinen akademischen Abschluss braucht und den ULG vor allem aus persönlichem Interesse besucht, braucht weder eine Abschlussarbeit noch eine Prüfung zu absolvieren.
Weitere Infos unter www.spirituelletheologie.at
Text:
Josef Estermann ist einer der beiden Projektleiter des Masterlehrgangs «Spirituelle Theologie im interreligiösen Prozess». Er ist freischaffender Philosoph und Theologe.
Martin Rötting ist der akademische Lehrgangsleiter und Professor für Religious Studies an der Paris Lodron Universität Salzburg.
Ursula Rapp begleitet den Lehrgang und die Lernrozesse didaktisch und ist Professorin an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein sowie Lebens- und Sozialberaterin.